Journal · Etikette

Rosen ja, Nelken nein

Im Theater hält sich ein Aberglaube hartnäckig: Man schenke Darstellerinnen und Darstellern keine Nelken. Rosen dagegen seien immer willkommen. Woher kommt diese seltsame Regel?

Wie viele Bühnenbräuche lässt sich die Nelken-Scheu nicht auf ein einziges Datum festnageln. Verbreitet ist die Erzählung, sie stamme aus dem Theatermilieu des 19. Jahrhunderts: Nelken galten als billige, lang haltbare Blume — und damit als zweifelhaftes Kompliment. Roses, teurer und vergänglicher, standen für echte Wertschätzung. Aus dieser Unterscheidung wurde mit der Zeit ein regelrechter Aberglaube.

Die Farben sprechen mit

Neben der Blumenart spielt die Farbe eine Rolle — eine stille Sprache, die weit älter ist als das Theater:

Aberglaube oder Höflichkeit?

Heute nimmt kaum jemand die Regel noch wörtlich. Geblieben ist die Aufmerksamkeit dahinter: Wer Blumen auf die Bühne bringt, denkt einen Moment über die Person nach, der sie gelten. Das ist letztlich der Kern jeder Etikette — nicht das Verbot, sondern die Sorgfalt.

Zum Anfang dieser kleinen Serie: Blumen auf der Bühne.