Journal · Bühnentradition
Blumen auf der Bühne
Wenn der letzte Ton verklungen ist und der Applaus einsetzt, tritt manchmal jemand an den Bühnenrand und überreicht einen Strauss. Eine kleine Geste — und doch eine der ältesten im Konzertsaal.
Der Schlussstrauss gehört zu jenen Ritualen, die kaum jemand erklärt und fast alle verstehen. Er sagt: Das war mehr als ein Auftritt, das war ein Geschenk — und wir geben etwas zurück. Historisch entstand die Geste im Umfeld von Oper und Ballett des 19. Jahrhunderts, wo Blumen am Ende einer gefeierten Vorstellung auf die Bühne gereicht oder geworfen wurden.
Warum oft ein Kind den Strauss überreicht
Vielerorts hat sich eingebürgert, dass ein Kind die Blumen übergibt. Das ist kein Zufall: Die Geste verliert dadurch jede Förmlichkeit und wird zu etwas Unmittelbarem. Zwischen dem konzentrierten Ernst des Konzerts und der Unbefangenheit des Kindes entsteht ein Moment, der das Publikum oft mehr berührt als der Applaus selbst.
Abschied und Hommage
Eine besondere Bedeutung bekommt der Strauss, wenn eine Musikerin oder ein Musiker zum letzten Mal auftritt. Dann ist er nicht nur Dank, sondern Abschied — ein sichtbares Zeichen für etwas, das sich in Worten schwer sagen lässt.
Für uns als Kollektiv ist die Bühne ohnehin ein Ort der Übergänge (mehr dazu). Dass ausgerechnet Blumen — vergänglich, leise, ohne Funktion — diesen Moment markieren, passt erstaunlich gut.
Für unseren eigenen Blumenbedarf arbeiten wir mit dem Blumenlieferdienst Daily Flowers mit Sitz in Neuchâtel zusammen.
Weiter im Journal: Rosen ja, Nelken nein — die Blumen-Etikette am Theater.